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Artikel: Coaching auf der Identitätsebene

von Robert Dilts und Deborah Bacon

Die Menschheit befindet sich in einer herausfordernden Zeit. Probleme wie Terrorismus und globale Erwärmung zeigen uns, dass wir uns mehr und mehr uns selbst, den anderen und der Welt um uns herum entfremden. Wir haben bereits einen derart kritischen Zustand kollektiver Entfremdung erreicht, der immer mehr Menschen aufrüttelt und an Umkehr und Wandel denken läßt.
Immer mehr Menschen fragen sich, was wirklich in ihrem Leben zählt und bewerten ihre Lebensziele neu. Dieses Aufrütteln hat zu einem wachsenden Bedarf an Coaching auf der Identitätsebene geführt.

Bei jedem Coaching-Prozess geht es darum, vom jetzigen Zustand in den gewünschten Zustand zu gelangen. Beim Coaching auf der Identitäts-Ebene bedeutet der gewünschte Zustand, vollständig verbunden mit unserem Selbst und in sich zentriert zu sein und aus der Präsenz und Fülle des eigenen Selbst heraus zu leben. Wir haben erfolgreiche und kreative Menschen modelliert und fanden die Schlüsselqualitäten, die den Unterschied ausmachen.
Wie die Begründerin des Modern Dance, die bekannte Tänzerin Martha Graham sagte:

Jeder Mensch verwandelt seine Vitalität, Lebenskraft und Energie in Aktion und Wirkung und weil jeder Mensch einzigartig ist, ist dieser Ausdruck ebenso einzigartig. Wenn wir ihn blockieren, wird er niemals existieren und damit verloren sein. Er wird niemals in die Welt gelangen. Es ist weder an uns zu befinden, wie gut dieser Ausdruck ist noch wie er im Vergleich zu anderen ist. Es ist unsere Sache, den Kanal offen zu halten.

Aus diesem Blickwinkel bedeuten Weiterentwicklung, Transformation und Zufriedenheit im Leben „den Kanal offen zu halten“.

Auf der Identitäts-Ebene ist unser wesentliches Ziel die beständige Frage „wer bin ich?“. Wir beantworten diese Frage damit, wie wir in jedem Augenblick auf das Leben reagieren. Wenn wir zentriert sind, präsent in unseren Körpern und mit uns selbst und der Welt um uns herum verbunden sind, kommen wir ganz natürlich in Kontakt mit unserem Lebensziel und dem Sinn unseres Lebens.

Ein Paradoxon unseres Lebens, das unserer natürlichen Weiterentwicklung und Zufriedenheit entgegenwirkt ist, dass wir uns selbst entfremden, um uns zu schützen. Das ist der Grund, warum wir den Kontakt verlieren zu unseren eigentlichen Bedürfnissen und Zuflucht suchen in Aktivitäten und Verhaltensweisen, die uns von unserem eigenen Selbst fernhalten. Wir werden reaktiv oder ziehen uns zurück und fangen an, „unsere Kanäle abzuschalten“. Wir vermeiden, was uns Angst macht statt uns dem zuzuwenden, was wir tun und sein wollen in unserem Leben. Damit entwickeln wir eine Dynamik, die uns weit unter unserem Potenzial leben läßt. Diese oft unbewußte Dynamik umfasst:

1. Festhalten an einem Idealbild unsres Selbst (von dem wir meinen, wir müßten ihm entsprechen, um geliebt und anerkannt zu werden)
2. Identifikation mit Gedanken, Überzeugungen und Geschichten, die uns beschränken, unsere eigentliche Identität auszudrücken
3. Mangelndes Verständnis, wie wir mit unangenehmen Gefühlen umgehen sollen, die ganz natürlich zu unserem Leben gehören, wie Frustration, Angst, Wut, Selbstzweifel usw.

Wenn wir jemanden auf der Identitätsebene coachen, dann ist es das wichtigste Ziel, diese Person darin zu unterstützen, dass sie erkennt, wann ihre „Kanäle offen“ sind, wann sie „geschlossen“ sind und was sie tun kann, um sie wieder zu öffnen. Das bedeutet zu erkennen lernen, wie wir uns von uns selbst entfremden und zu entdecken, was uns zu uns selbst führt. Ein Schlüsselresultat von Coaching auf der Identitätsebene ist es,  unser Gefühl dafür zu erweitern und zu vertiefen, wer wir eigentlich sind. Damit werden wir befähigt, uns den Chancen und Herausforderungen des Lebens zu stellen von einer Position vermehrter Präsenz, Authentizität und im vollen Besitz unserer Ressourcen – selbst in Zeiten von Herausforderung und Krise. Aus Coachingsicht betrachten wir unser Leben als „Heldenreise“ und finden den Ruf nach Aktion in den Ereignissen und Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen. Es ist tatsächlich oft so, dass wir durch die Krisen unseres Lebens zu größerer Tiefe gelangen und befähigt werden, unser Lebensziel zu finden.

Auf einer tiefen Ebene teilen alle Menschen  dieselben grundlegenden Ängste vor Leid oder Schmerz, vor Verlassenwerden oder Ersticken oder davor, gar nicht zu existieren. Die Art und Weise, wie sich diese Ängste ausdrücken, variiert von Kultur zu Kultur und verschiebt ihre Bedeutung in Abhängigkeit von unseren Lebensumständen. Wir reagieren im Allgemeinen auf diese Ängste mit Überlebensstrategien. Damit vermeiden wir, verletzt zu werden, aber dadurch trennen wir gleichsam unser reiches Innenleben und den fruchtbaren Boden unseres Selbst ab.

Der Prozess des Coaching auf der Identitätsebene unterstützt uns dabei, diese fundamentalen Ängste, die man „Dämonen-„ oder „Schattengefühle“ nennen könnte, zu identifizieren, sowie diejenigen Teile unseres Selbst, die wir verdrängt haben und denen wir uns nicht stellen möchten. Weiterhin hilft er uns, die notwendigen Ressourcen zu finden, um mit diesen Ängsten umzugehen, um den „Kanal“ wieder zu öffnen und um damit aus tiefer Verbundenheit, Glauben und Vertrauen zu leben.

Herausforderungen unserer Identität enstehen oft während Umbruchzeiten. Oft sagt man, die Dinge ändern sich dauernd, aber es geht nicht voran. Wir können sicher Umbrüche und Übergänge in unserem Leben weder vorhersehen noch wirklich kontrollieren. Aber wir können lernen, diese ganz natürlichen Veränderungen zu begleiten und bewußter an ihnen teilzunehmen statt vom Fluß der Veränderung unbewußt niedergedrückt zu werden.

Wenn wir in uns selbst ruhen, leben wir in tiefer Verbindung mit uns selbst und anderen. Diese Verbundenheit wiederzufinden und zu unterstützen, ist das wesentliche Element, unsere Welt zu verbessern. In diesem Sinne ist Coaching auf der Identitätsebene ein Beitrag dazu, unsere gemeinsame Wirklichkeit zu transformieren.

Artikel in englischer Originalfassung: Coaching at the Identity Level

by Robert Dilts and Deborah Bacon

The human race is clearly in a challenging period. Problems such as terrorism and global warming show that we have been becoming increasingly disconnected from ourselves, others and the world around us. We have gone to such a collective state of disconnection that it has caused a crisis that is waking a lot of people up. People are becoming riper and riper for change and transformation. Increasing numbers of people are asking themselves what really matters and re-evaluating their life’s direction. This awakening has led to a growing need for coaching at the identity level.

All coaching processes are organized around the movement from a present state to a desired state. In the case of coaching at the identity level, the desired state is to be deeply connected with ourselves and to live from a place of centeredness, presence and fullness. These are key qualities that we have found are a “difference that makes a difference” when we have modelled successful and creative people. As the famous dancer Martha Graham said:

There is a vitality, a life force, a quickening [an energy] that is translated through you into action, and because there is only one of you in all time, this expression is unique.  If you block it, it will never exist through any other medium and be lost. The world will not have it. It is not yours to determine how good it is; nor how it compares with other expressions. It is your business to keep the channel open.

From this perspective, evolution, transformation and satisfaction in life come through “keeping the channel open.”

Our deepest goal at the identity level is to continually answer the question “Who am I?” We answer this question by how we respond to life from moment to moment. When we are centered, present in our bodies and connected with ourselves and the world around us, we become naturally in touch with our life’s purpose and meaning.

The main dilemma in our lives that works against our natural self-evolution and satisfaction is that we disconnect from ourselves in order to protect ourselves. Because of this, we lose contact with our true needs and take refuge in activities and behaviors that keep us disconnected. We become reactive or withdrawn and begin to “shut our channel down”. We move away from what we fear rather than being in touch with what we want to do and be in our lives. This leads to several dynamics that cause us to live from less than our fullness. These dynamics, which are often unconscious, include:

1. Holding on to an “idealized self” (that which we feel we must be in order to be loved and to gain approval)

2. Identification with thoughts, beliefs and stories that limit our expression of our true identity

3. Lack of understanding how to relate to difficult feelings (frustration, fear, anger, self-doubt, etc.) that emerge as a natural response to life


The fundamental purpose of coaching at the identity level is to help people recognize when their “channel is open,” when it is “closed” and what they can do to open it again. This implies learning to recognize the ways we disconnect from ourselves and discovering what allows us to come back “home”. A key outcome of coaching at the identity level is to enable people to expand and deepen their sense of who they are and respond to the opportunities and challenges presented by life from a place of increasing presence, resourcefulness and authenticity—even during times of challenge and crisis. From the perspective of identity coaching, it is important for us to view our lives as a “hero’s journey’ and find the call to action present in events and challenges we face. In fact, it is often through the crises in our lives that we come into greater fullness and are more able to find our unique expression in life.

At a deep level, human beings share the same fundamental fears such as fear of suffering or pain, fear of abandonment or suffocation, fear of non-existence, etc. The way these fears get expressed can vary from culture to culture and shift emphasis depending upon our life circumstances. Our response to fear, however, is generally to disconnect from our vulnerability and live from survival strategies that cut us off from our rich inner life and from the fertile ground of our being.

The process of coaching at the identity level helps people to identify these fundamental fears in the form of what might be called “demons” and “shadows”- feelings and parts of ourselves that we have become disconnected from and do not want to face. It then supports people to find the resources necessary to change their relationship to these fears, reopen the “channel” and live from a place of deeper connection, faith and trust.

Identity challenges frequently emerge during times of transition. It has been said that things are always changing but not necessarily always progressing. While we can neither prevent nor truly control transition and transformation in our lives, we can learn to accompany these natural movements and participate in them more consciously, rather than being unconsciously carried down the river of change. One of the goals of coaching at the identity level is to help people internalize practical skills and principles with which to manage life transitions with greater ease, flow and resourcefulness.

When we are centered in who we truly are, we live deeply connected to ourselves and to others. Refinding and supporting this connectedness is the essential element for healing our world. In this way, coaching at the identity level contributes to transforming our collective reality.

 
 
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